Facharbeit

 

 

 

Miriam Wörner

 

 

 

Johann Wolfgang von Goethe

und

seine Gedichte

„Willkommen und Abschied“

und

„Sehnsucht“

 

 

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S                                                         

1.     Lebenslauf von Johann Wolfgang von Goethe

1.1.  Die Epoche des „Sturm und Drang“                                                                          

 

2.     Gedichtinterpretation des Gedichtes „Willkommen und Abschied“

2. 1.  Textbeschreibung

2.2.   Textdeutung

2.3.   Das Gedicht im Kontext 

2. 4.  Textbewertung

 

3.      Gedichtinterpretation des Gedichtes „Sehnsucht“

3.1.   Textbeschreibung

3.2.   Textdeutung

3.3.   Das Gedicht im Kontext 

3. 4.  Textbewertung

 

4.      Vergleich der Gedichte „Willkommen und Abschied“ und „Sehnsucht

 

5.    Literaturgeschichtliche Bedeutung der Gedichte

 

6.      Anhang

      Literaturverzeichnis 

       Gedicht „Willkommen und Abschied“

       Gedicht „Sehnsucht“

 

 

1.   Lebenslauf von Johann Wolfgang von Goethe (zum Inhaltsverzeichnis)

 

Goethe wurde am 28.08.1749 in Frankfurt am Main als Sohn von Johann Casper Goethe (1710-82), der im kaiserlichen Rat beschäftigt war, und dessen Frau Katharina Elisabeth Goethe, geb. Textor (1731-1808), geboren. Von seinen fünf Geschwistern überlebte nur seine Schwester Cornelia (1750-1777), mit der er seine Jugend in Frankfurt verbrachte. Im Jahre 1759 wurde Frankfurt von den Franzosen besetzt. Aufgrund der Besetzung seines Elternhauses durch die Franzosen bekam er Einblicke in das französische Theater. Unterrichtet wurde er im Elternhaus, in Latein, Griechisch, Englisch und Französisch, meist von Privatlehrern, aber zum Teil auch vom Vater. 1762 schenkte er seinem Vater seine ersten Gedichtsammlungen, musste aber trotz seiner Begabung zur Dichtung auf Wunsch seines Vaters drei Jahre später in Leipzig mit dem Jurastudium beginnen. In seiner Studienzeit lernte Goethe bei Oeser zeichnen und hatte seine erste Beziehung zu Kätchen Schönkopf, der Tochter seiner Wirtsfamilie. 1768 unterbrach er sein Studium und kehrte aufgrund einer lebensgefährlichen Erkrankung nach Frankfurt zurück. Am Krankenbett betreute ihn Susanne von Klettenberg, eine Freundin seiner Mutter, die ihn zu religiösen Erfahrungen zu bewegen versuchte. Nach seiner Genesung zog Goethe nach Straßburg (1770-71), wo er sein Jurastudium beendete. Hier lernte er Johann Gottfried von Herder kennen, der ihn mit den Schriften von Shakespeare und mit der Volkspoesie vertraut machte, welche die damalige Lyrik Goethes prägte.            

Ein Besuch in Sesenheim, bei dem er sich in die Pfarrerstochter Friederike Biron verliebte und mit ihr ein leidenschaftliches Verhältnis hatte, brachte den Durchbruch zur seiner Erlebnislyrik. In dieser Zeit entstanden die  „Sesenheimer Lieder“, die er für Friederike geschrieben hatte.

 1771 kehrte er nach Frankfurt zurück, wo er kurze Zeit als Jurist tätig war, sich schriftlich von Friederike trennte und an den Dramen „Götz von Berlichingen“ (erschien 1773) und „Faust“ arbeitete. Im folgenden Jahr übte er den Beruf Rezensent bei der „Frankfurter Gelehrten Anzeige“ aus.

 und lernte als Referendar am Reichskammergericht in Wetzlar Charlotte Buff und deren Verlobten Johann Christian Kestner kennen. Er verliebte sich in die junge Frau, die seine Liebe nicht erwiderte.

Zwei Jahre später erschien der Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“, den Goethe in vier Wochen verfasste und welcher typisch für die literarische Epoche des „Sturm und Drang“ war. Ausschlaggebend war die unerfüllte Liebe zu Charlotte Buff. Erschrocken über die Selbstmordwelle, die dieser Briefroman auslöste, wandte sich Goethe kurz Zeit der Klassik zu, Da ihn die emotionsgeladenen „Stürmer und Dränger“ abschrecken.

1775 lernte er die Bankierstochter Anna Elisabeth Schönemann (Lili) kennen, verliebte sich in sie und verlobte sich mit ihr. Aus Angst um seine persönliche Freiheit beendete er diese Verlobung noch im selben Jahr und reiste um Abstand zu gewinnen in die Schweiz. „Dieser Zustand erstickt alle meine Kräfte. Ich muß fort in die frei Welt.“[1] Während der Beziehung mit Lili entstanden die ihr gewidmeten Gedichte, die „Lililieder“.

 Nach seiner Rückkehr aus der Schweiz wurde Goethe an den Hof des Herzogs von Weimar gerufen, wo er schnell zum hohen Staatsmann aufstieg (1776 geheimer Legationsrat, 1779 Geheimer Rat, 1782 Leiter der Finanzkammer und Adelstitel) und durch den Herzog abgesichert wurde. Dort verliebte er sich in Charlotte von Stein, die eine enge Vertraute wurde und ihn so positiv beeinflusste, dass sein Wesen ausgeglichen wurde. 1776 begann er mit seinen ersten wissenschaftlichen Studien, die 1784 mit der Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschen Anerkennung fanden. In den folgenden Jahren begleitete er den Herzog von Weimar auf seinen Reisen in die Schweiz und begann mit dem Drama „Iphigenie auf Tauris“.

Im Zeitraum von 1780-1785 befasste er sich mit der Mineralogie, besuchte anatomische Vorlesungen in Jena und beschäftigte sich mehr mit seiner Leidenschaft zur Botanik.

 1786 reiste er nach Italien, um dem Alltag zu entfliehen. Er fühlte sich zunehmend vereinsamt, weil das Verhältnis zu Charlotte von Stein angespannt war und das höfische Leben ihm unbehaglich wurde. Während seines Aufenthalts in Rom widmete Goethe sich immer öfter Schriften der klassischen Epoche. Er erkannte in Italien, dass die Existenz des Menschen nicht nur mit dem Ausleben der Gefühle ihren Höhepunkt fand, sondern dass die Bildung dieser auch ohne Selbstopferung möglich sei Hier beendete er auch das Drama „Iphigenie auf Tauris“, das nun im klassischen Stil verfasst war. Zur gleichen Zeit schrieb er einige

Szenen des Dramas „Faust“.

Zwei Jahre später kehrte Goethe nach Deutschland zurück und befasste sich nun zunehmend mit der klassischen Epoche. Er ließ sich aus allen Ämtern am Hof entbinden, weil er sich nun völlig seiner Dichtung widmen wollte. In Jena lernte er Schiller kennen, mit dem ihn später eine tiefe Freundschaft verband. Im

selben Jahr nahm er Christiane Vulpius, seine zukünftige Lebensgefährtin, in seinem Haus auf, die ihm später einen Sohn schenkte.[2]

 

1.1.  Die Epoche des „Sturm und Drang“ (zum Inhaltsverzeichnis)

Der „Sturm und Drang“ war eine literarisch-philosophische Bewegung in Deutschland von ca. 1765-1785, die auch als Geniezeit bzw. Genieperiode bekannt ist und ein Gegenprogramm zur Aufklärung darstellte.[3] Diese Epoche ersetzte aber in ihrem Programm nicht die Aufklärung, sondern ergänzte sie, da viele Dichter und Gelehrte dieser Epoche durch ihre Erziehung, die in der Denkstruktur der Aufklärung wurzelte, geprägt waren. Der Name der Epoche war der ursprüngliche Titel eines Dramas von Friedrich Maximilian Klinger.[4]

In seinem Wesen war der „Sturm und Drang“ eine Protestbewegung gegen den Absolutismus, die herrschende Ständeordnung sowie die absolute Obrigkeit und die Unterdrückung der Bevölkerung in den Städten und die bürgerliche Moralvorstellung, aber zugleich auch eine Jugendbewegung. Als Vorbild für die Dichter der Epoche galt William Shakespeare, der einen großen Einfluss auf ihre Dichtung hatte, da er für die Vorstellung des Originalgenies als Prototyp paradigmatisch hervortrat.[5]

 Als Ideal galt nun nicht mehr der gelehrte Dichter, sondern das Genie, das für die schöpferische Energie des Künstlers stand. In dieser Epoche tauchte ein neues Menschenbild auf, nämlich das des Menschen, der seine Emotionen frei in der Gesellschaft auslebte, selbst wenn die Folge der Tod sein könnte. In den Dramen der Dichter konnten die Ideen des „Sturm und Drang“ am besten verarbeitet werden. Die Hauptfiguren der Dramen waren Liebende, Genies und gefühlvolle Menschen. Die Vorschriften der Regelpoesie wurden nicht mehr beachtet, d.h. statt einer geordneten setzt eine turbulente Handlung ein, auf das Spiel eines Ortes und einer Zeit folgt ein starker Wechsel von Ort und Zeit und in einem Stück sind tragisch-komische Elemente vorhanden.[6]

Das Treffen zwischen Goethe und Herder in Straßburg 1770 bildetet den Ausgangspunkt des „Sturm und Drang“ als literarische Bewegung.[7] Die Begegnung mit Herder zeigte in Goethes Drama „Götz von Berlichingen“ und dem Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ ihren Einfluss. „Die Leiden des jungen Werthers“ war der Kultroman des „Sturm und Drang“, woraufhin nicht nur ein Modeumschwung stattfand, sondern auch einige Nachahmungstaten des beschriebenen Selbstmordes im Briefroman.

Goethe schrieb nach der Begegnung mit Herder seine Gedichte in einer neuen Lyrikart, der so genannten Erlebnislyrik. Damit bezeichnet man Gedichte, die von subjektiven Erlebnissen des Autors ausgehen. Diese Gedichte sind von einer sehr starken Gefühlsaussprache geprägt. Allerdings ist die Erlebnislyrik nicht gleichzusetzen mit einer in Reimen verfassten Biographie. Entscheidend für die ästhetische Qualität der Erlebnislyrik ist die künstlerische Verwandlung der persönlichen Erfahrung der Autoren.

In diesen Gedichten bilden die Liebe, die Natur, das Göttliche und der Mensch eine unlösbare Einheit, die nicht durchbrochen wird.

 

2.    Gedichtinterpretation des Gedichtes „Willkommen und Abschied“

 

2. 1. Textbeschreibung (zum Inhaltsverzeichnis)

Das 1771 entstandene Gedicht „Willkommen und Abschied“ schildert die Sehnsucht eines jungen Mannes nach der Geliebten und den schmerzhaften Abschied von ihr in Verbindung mit einer leidenschaftlichen Beschreibung der Natur. Behandelt wird die um 1789 entstandene zweite Fassung des Gedichtes, die sich nur wesentlich von der ersten unterscheidet.

Das lyrische Ich teilt seine Gefühle im Bezug auf das lyrische Du mit. Diese werden durch die Personalpronomen „mein“ (V. 1), „meinen“ (V.15), „meinem“ (V. 16), „mir“ (V. 26) und „mich“ (V. 18) verdeutlicht. In der dritten Strophe des Gedichtes erblickt das lyrische Ich das lyrische Du und schildert seine Empfindungen bei dessen Anblick. In der letzten Strophe beschreibt das lyrische Ich dem Leser bzw. der Leserin die Gefühle des lyrischen Du bei dessen Abschied.

Das Gedicht besteht aus vier Strophen à 8 Versen und das Metrum ist ein

4-hebiger Jambus. Es ist durchgängig im Schema des Kreuzreimes verfasst. Viele Zeilensprünge (vgl. V.9/10 und 25/26) gestalten den überwiegend bauenden Rhythmus des Gedichtes dynamischer.

In „Willkommen und Abschied“ finden sich verschiedene Reimformen. Die erste und die zweite Strophe bestehen nur aus stumpfen Reimen wie zum Beispiel „Wolkenhügel“ (V. 9) und „Flügel“ (V. 11). Die andern zwei Strophen haben ebenfalls stumpfe Reime, wie „mich“ (V.18) und „dich“(V. 20). Diese

stumpfen Reime werden in der dritten Strophe durch unreine Reime verstärkt (vgl. 17/19 und 21/23). Die Strophen eins und zwei schildern den Ritt des Verliebten zu seiner Geliebten, der während der Nacht durch die Landschaft führt. Die klingenden Reime „Morgensonne“(V.25) und „Sonne“(V. 27) verdeutlichen den schmerzerfüllten Abschied des lyrischen Ich vom lyrischen Du (vgl. V. 25-27).

Die Begegnung der Liebenden nach der Ankunft des Verliebten und der schmerzvolle Abschied von der Geliebten in der Morgensonne werden in der dritten und vierten Strophe beschrieben.

Der Ritt, von Sehnsucht getrieben, führt während der Nacht (1.Strophe) durch die Landschaft (2.Strophe). Die Sehnsucht endet mit der Begegnung der Geliebten (3.Strophe) und beginnt vom Neuen mit dem Abschied von ihr.

 

 2.2. Textdeutung (zum Inhaltsverzeichnis)

Durch folgende rhetorische Stilmittel wird die Aussage des Gedichts verstärkt:

Die Anapher „Es“ (vgl. V. 1und 2) beschreibt den sehr spontanen Aufbruch des lyrischen Ich zum lyrischen Du, der durch die Alliteration „getan…gedacht“ (V. 2) noch verstärkt wird.

 Der „Abend“ (V. 3), durch das Verb „wiegen“ (V. 3) personifiziert, beschreibt die ruhige emontionalle Stimmung des lyrischen Ich während des Abends, die es bei dessen Betrachtung empfindet. Diese Empfindung wird durch das Verb „wiegen“ (V. 3) bekräftigt. „Der Abend wiegte schon die Erde“ (V. 3) assozi-

iert ein mit Liebe in den Schlaf gewiegtes Kind und verdeutlicht die innere Ruhe des lyrischen Ich nach dem hektischen Aufbruch.[8]

Die personifizierte „Nacht“ (V. 4) leitet den Wechsel von der harmlos beruhigenden Atmosphäre der Natureindrücke zu einer eher beängstigenden Naturdarstellung ein.

In Vers fünf wechselt diese harmlose beruhigende Atmosphäre in eine bedrohliche: Eine „Eiche“ (V. 5), durch „Kleid“ (V. 5) personifiziert, veranschaulicht

die Bedrohlichkeit der Natur, die das lyrische Ich durch die gespenstische Erscheinung der Eiche wahrnimmt. „Im Nebelkleid“ (V. 5) vertieft die unheimliche Erscheinung des Baumes auf das lyrische Ich und gewinnt durch die Hyperbel „aufgetürmter Riese“ (V. 6) zusätzlich an Bedrohung.

Die „Finsternis“ (V. 7) wird durch „sehen“ (V. 8) personifiziert. So erscheint die Natur dem lyrischen Ich gefährlicher und unheimlicher als zuvor. Die Hyperbel „hundert schwarze Augen“ (V. 8) lässt die Finsternis als ein gefährliches Geschöpf erscheinen, das das lyrische Ich zu bedrohen scheint.

Der personifizierte „Mond“ (V. 9) spiegelt insbesondere durch das Adjektiv „kläglich“ (V. 10) die innere Verfassung des lyrischen Ich wider, welche gekennzeichnet ist durch die aufkeimende Furcht vor der unheimlich erscheinenden Natur. Das Verb „schwingen“ (V. 11) personifiziert die „Winde“(V. 11). Die Winde erscheinen durch ihre Vermenschlichung als Ungeheuer, die das lyrische Ich mit seinen Sinnen wahrnimmt (vgl. V. 12).

Die bedrohliche Natur nährt sich kaum merkbar dem lyrischen Ich von allen Seiten. Verdeutlicht wird dies durch das Adverb „leise“ (V. 11) und das Verb „umsausen“ (V. 12).

Die Bedrohung findet ihren Höhepunkt im Vers 13, in der die „Nacht“ (V. 13) durch „erschaffen“(V. 13) personifiziert wird.[9] Die herrschende Finsternis (vgl. V. 7) in der Nacht bewirkt eine angsteinflößende Atmosphäre. Die Nacht wird vermenschlicht, da sie hyperbolisch „tausend Ungeheuer“ (V. 13) erschaffen

kann. Mit der Erschaffung der „tausend Ungeheuer“ verstärkt sich die Bedrohlichkeit der Natur auf das lyrische Ich.

Durch den Konjunktion „ Doch“ (V. 14) wird die Distanz zwischen der Bedrohung der Natur und die Sehnsucht nach dem lyrischen Du akzentuiert.[10]Die Alliteration „frisch…fröhlich“ (V.14) demonstriert die innere Gelassenheit des

lyrischen Ich, trotz der drohenden Gefahr der Natur von außen. Dies wird außerdem durch „mein Mut“ (V. 14) bekräftigt.

Mit dem Ausruf „In meinen Adern welches Feuer! In meinem Herzen welche Glut!“ (V. 15 und 16) wird der Emotionsausbruch des lyrischen Ich verstärkt und damit sein Mut und seine Tapferkeit betont.

Die Ellipsen „welches Feuer“ (V. 15) und „welche Glut“ (V. 16) demonstrieren den Gefühlsausruf des lyrischen Ich und versinnbildlichen den

inneren Gefühlsdrang, der durch den Mut des lyrischen Ich nach außen dringt. Mit diesem Ausruf geht das lyrische Ich in die Begegnung mit dem lyrischen Du über.

Das metaphorische Verb „fließen“ (V. 18) der „Freude“ (V. 17) betont den Gefühlsausbruch des lyrischen Ich nach dem Erblicken des lyrischen Du.

Der Gefühlsausbruch des lyrischen Ich wird durch das Verb „fließen“ (V. 18) zusätzlich verstärkt, da die Freude des lyrischen Ich erst durch die Anwesenheit des lyrischen Du und dessen „süßen Blick“ (V. 18) veranschaulicht wird.

Die Synästhesie der „süße[ ] Blick“ (V. 18) des lyrischen Du bringt die Gefühle des lyrischen Ich zum Ausbruch und beendet damit die Sehnsucht nach jenem.

Im Vers 21 drückt die Naturerscheinung „Frühlingswetter“ (V. 21) die Liebe des lyrischen Ich zum lyrischen Du aus. Das metaphorische Verb „umgeben“ (V. 22) des „Frühlingswetter“ betont die Vermenschlichung dessen. Mit der Vermenschlichung des Frühlingswetters zeigt sich die liebevolle Zuneigung des lyrischen Ich für das lyrische Du, da die Natur das lyrische Du umgibt und das lyrische Ich erfreut.

Die Synästhesie „rosenfarbenes“ (V. 21) symbolisiert die Liebe des lyrischen Ich und Du. Mit Rosen wird die Verliebtheit zu einer anderen Person ausge-

drückt oder Verbundenheit, die für einen Freund bzw. eine Freundin empfunden wird.

Der Ausruf des lyrischen Ich „Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter! Ich hofft’ es, ich verdient’ es nicht“ (V. 23 und 24) betont die Freude des lyrischen Ich,  

die es bei dem Anblick des lyrischen Du empfindet und Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit, die das lyrische Ich und Du verbracht haben.

Der Konjunktion „Doch“ (V. 25) am Versanfang verdeutlicht den sich nähernden Abschied.[11]Der personifizierte „Abschied“ (V. 26), durch das Verb „verengen“ (V. 26) zum Ausdruck gebracht, betont den Abschiedsschmerz, den das lyrische Ich beim Aufbruch empfindet.

Dieser Schmerz wird durch das Verb „verengen“ (V. 26) verstärkt. Dem Gefühl der Trennung gibt sich das lyrische Ich völlig hin, da sich der Trennungsschmerz über das Herz legt und dieses verengt (vgl. V. 26).

Die empfundene Leidenschaft des lyrischen Ich und Du und die Trauer des lyrischen Du werden durch den Ausruf „In deinen Augen welcher Schmerz!“ (V. 28) verdeutlicht.

Die letzten beiden Verse der 4. Strophe veranschaulichen die zueinander empfundene Liebe. Im Vers 31 wird dieses durch das Passiv „geliebt zu werden“ veranschaulicht. Der Aktiv „ lieben“ (V. 32) stellt die Zuneigung des lyrischen Ich für das lyrische Du dar und betont so die Liebe der beiden.

 

Goethe verdeutlicht mit seinem Gedicht „Willkommen und Abschied“ die Ambivalenz der Liebe, gekennzeichnet durch Schmerz und Erfüllung.

Diese Ambivalenz spiegelt sich bereits im Titel wider.

Die Aussage wird durch die Ausrufe des lyrischen Ich „ Und Zärtlichkeit für mich – ihr Götter!“ (V. 23) und „In deinen Augen welcher Schmerz“ (V. 28) betont.

Anhand des Inhalts des Gedichtes lässt sich die Aussage zusätzlich verstärken, da dem Leser bzw. der Leserin der empfundene Schmerz und die Erfüllung der Liebe mitgeteilt wird.    

 

2.3. Das Gedicht im Kontext   (zum Inhaltsverzeichnis)

Goethe schrieb das Gedicht „Willkommen und Abschied“ in der Epoche des    „ Sturm und Drang“ für Frederike Brion, die Tochter eines Pfarrers. Er lernte     

sie bei seinem Aufenthalt in Sesenheim kennen und verliebte sich in die junge Frau. Das Gedicht „Willkommen und Abschied“ schildert den Ritt Goethes in einer dunklen, windigen Nacht zu Friederike. Die Begegnung mit ihr war für ihn ein Erlebnis. Er schrieb mehrere Gedichte für Friederike, die als die „Sesenheimer Lieder“ bekannt sind. Alle „Sesenheimer Lieder“ schildern die

Gefühle des Dichters für Friederike. Goethe identifiziert sich mit dem lyrischen Ich, das im Gedicht seine Gefühle dem Leser bzw. der Leserin mitteilt. Diese Gefühle zeigen den wahrgenommen Schmerz und die Erfühlung der Liebe Goethes: „ Ich konnte nicht unterlassen, Friederike noch einmal zu sehen. (…) Standen ihr die Tränen in den Augen, und ihr war sehr übel zumute. (…)“[12]. Diese Gedichte haben alle einen autobiographischen Hintergrund und beschreiben auch die wahrgenommen Natureindrücke Goethes. „Nach diesem ersten, etwas wunderlichen Empfang ward zugleich die Unterredung frei und heiter, (…).“ Die Art dieser Lyrik war neu für den „Sturm und Drang“ und nannte sich „Erlebnislyrik“. Die „ Stürmer und Dränger“ lebten ihre Gefühl in der Gesellschaft frei aus, auch wenn der Tod sie als letzte Konsequenz ereilen konnte. Wichtig für diese Epoche war, dass die Gefühle nicht nur empfunden, sondern auch ausgelebt wurden. Das Gedicht „Willkommen und Abschied“ ist ein typisches „ Sturm und Drang“ Gedicht, da der Dichter seine empfundenen Gefühle frei mitteilt und auch auslebt. Die „Sesenheimer Lieder“ wurden zu nächst von Freunden gelesen, später allerdings wurden einige in der Zeitschrift „Iris“ veröffentlicht. Goethe offenbarte mit diesen Gedichten seinen Lesern bzw. seinen Leserinnen, was Jungsein bedeutet, nämlich die Kraft seine Gefühle zu offenbaren. Er kehrte nach Frankfurt zurück und trennte sich schriftlich von Friederike.   

 

2. 4. Textbewertung (zum Inhaltsverzeichnis)

Wie alle Dichter dieser Epoche lebte auch Goethe seine Gefühle in seinen Gedichten aus. Die Dichter dieser Zeit veranschaulichten das Wesen des „ Sturm

und Drang“, indem sie den Menschen die Wichtigkeit der Gefühlsauslebung klarmachten. In seinem Gedicht „Willkommen und Abschied“ verdeutlicht er den Menschen, dass wahres Glück nur in der bedingungslosen Hingabe des Augenblicks möglich ist. Das lyrische Ich teilt seine Empfindungen im Gedicht mit, mit denen sich der Leser bzw. die Leserin identifizieren kann. Goethe schildert in diesem Gedicht ein persönliches Erlebnis und veranschaulicht seine Empfindungen. „Ich genoß an der Seite des lieben Mädchens

der herrlichen Sonntagsfrühe auf dem Lande, wie sie uns der (...) Nebel 

vergegenwärtigt hat.“[13] Die Sprache des Gedichtes ist sehr kraftvoll und affektiv und gibt die Gefühle des Dichters wieder. Die Natureindrücke, die im „Sturm und Drang“ genauer beschrieben werden, verwendet der Dichter um die Gefühlswelt des lyrischen Ich verständlicher zu machen. Goethe zeigt seinen Mitmenschen seine Liebe zu Friederike, indem er die Sehnsucht nach ihr und den anschließend empfundenen Abschiedsschmerz im Gedicht beschreibt.

 

3.             Gedichtinterpretation des Gedichtes „Sehnsucht“

 

3.1. Textbeschreibung (zum Inhaltsverzeichnis)

Das 1775 entstandene Gedicht „Sehnsucht“ von Goethe schildert die Sehnsucht nach einem geliebten Menschen.

 Im Gedicht taucht das lyrische Ich erst in der zweiten Strophe im Vers sechs durch das Personalpronomen „mich“ auf und teilt dem Leser bzw. der Leserin seine Gefühle mit. Das lyrische Ich spricht das lyrische Du in seinen Gedanken in der 3. Strophe an, um ihm seine Gefühle zu verdeutlichen (vgl. V. 9/10). Die hier dargestellte Situation ist expressiv, das heißt, das lyrische Ich stellt seine Gefühle ausdrucksstark dar.

 „Sehnsucht“ besteht aus drei Strophen à vier Versen, die in einem jambischen Metrum gehalten sind. Ein bauender Rhythmus führt durch das ganze Gedicht und verdeutlicht die Sehnsucht des lyrischen Ich nach dem lyrischen Du. Das Gedicht „Sehnsucht“ ist durch sechs Zeilensprünge gekennzeichnet, die jeweils zwei Verse miteinander verbinden. Die Reime sind in der Anordnung des Kreuzreimes verfasst und haben stumpfe Reimenden (vgl. V. 5 mit 7).

Die erste Strophe des Gedichts schildert die Traurigkeit des lyrischen Ich und dessen Sehnsucht nach dem lyrischen Du. In der zweiten Strophe kommt die

Leidenschaft des lyrischen Ich zum Ausdruck. In der letzten Strophe des Gedichtes schildert das lyrische Ich seine Qualen, die es aufgrund seiner Sehnsucht nach dem lyrischen Du empfindet.

Die Trauer, die sich im Herzen des lyrischen Ich entwickelt hat (1. Strophe), vertieft sich in der Leidenschaft, die das lyrische Ich für das lyrische Du empfindet (2. Strophe) und endet mit der Qual im Herzen und der Sehnsucht nach dem lyrischen Du (3. Strophe).

 

3.2. Textdeutung (zum Inhaltsverzeichnis)

Folgende rhetorische Stilmittel verdeutlichen die Aussage des Gedichts. Die durch das Verb „quellen“ (V. 2) personifizierte „Trän’“ (V. 1) verdeutlicht den Sehnsuchtsschmerz des lyrischen Ich, den es während der Abwesenheit des lyrischen Du empfindet.

Dieser Schmerz wird durch die Formulierung „ Herz auf-quillte“ (V.2) beschrieben. Das Herz des lyrischen Ich ist von einem tiefen Sehnsuchtsschmerz erfüllt, der es völlig ausfüllt bzw. aufquellen lässt.

Die Hyperbel „glühend“ (V.2) demonstriert die Leidenschaft des lyrischen Ich, welche diese für das lyrische Du empfindet, und verdeutlicht damit die bittere Sehnsucht, die das lyrische Ich empfindet.

In Vers zwei wird das „Herz“ durch das sich in Vers vier befindliche Verb „stillen“ zum Pas pro Toto. Das lyrische Ich lebt seine Sehnsucht in allen Zügen aus, auch wenn sein Herz unter dem Sehnsuchtsschmerz leidet (vgl. 3 und 4).

Das Herz steht als Symbol für die Seele und verstärkt damit das Gefühl des lyrischen Ich, welches sich nach seiner Liebe sehnt.

Durch das Verb „stillen“ (V. 4) wird die zeitweilige Beruhigung des Schmerzes verdeutlicht, der aber nicht gestillt ist, sondern weiter im Herzen lodert.

Der Ausruf „O laß doch immer hier und dort Mich ewig Liebe fühlen“ (V. 5 und 6) betont die Leidenschaft des lyrischen Ich, das sich ganz seinen Gefühlen hingibt und diese auch ausleben will. Der Herzschmerz, den das lyrische Ich während der Abwesenheit des lyrischen Du verspürt, wird durch den personifizierten „Schmerz“ (V. 7) zum Ausdruck gebracht.

Dabei wird die Schwere des empfundenen Schmerzes durch das Verb „wühlen“ (V. 8) noch betont. Dieser Schmerz zieht sich durch Körper und Seele des

lyrischen Ich und wird von diesem in seiner ganzen Schwere wahrgenommen (vgl. V. 7 und 8).  

Der Ausruf des lyrischen Ich „Könnt’ ich doch ausgefüllt einmal Von dir, o Ew’ger, werden“ (V. 9 und 10) verdeutlicht die innere Verbundenheit des lyrischen Ich mit dem lyrischen Du und die Liebe beider zueinander.

Der Ausdruck „Ew’ger“ (V. 10) ist die symbolische Bezeichnung für Gott. Wie Gott ist auch die Liebe allgegenwärtig und dieses zeigt den inneren Beweggrund der Gefühle des lyrischen Ich beim Gedanken an das lyrische Du.

Mit dem Ausruf „Ach, diese lange tiefe Qual, Wie dauert sie auf Erden!“ (V. 11 und 12) zeigt das lyrischen Ich die empfundene Qual während der Abwesenheit des lyrischen Du. Diese Qual wird durch das Verb „dauern“ (V. 12) und das Adjektiv „tief[e]“ (V. 11) zusätzlich betont. Das lyrische Ich empfindet die Qual bzw. den Schmerz in der Tiefe seines Herzens bis zum nächsten Wiedersehen (vgl. V. 11 und 12).

 

Goethe verdeutlicht mit seinem Gedicht „Sehnsucht“ die Hochgefühl und die Melancholie der Liebe. Durch den Titel des Gedichtes wird die zentrale Aussage thematisiert, das Gefühl der Sehnsucht. Die mitgeteilten Gefühle zeigen die innere Verfassung des lyrischen Ich (vgl. V. 3 bis 8).

Durch rhetorische Figuren, wie zum Beispiel die Personifikation „Herz“ (V. 2) und „Schmerz“ (V. 7), werden die Hochgefühl und die Melancholie des lyrischen Ich verstärkt. Auch der Inhalt des Gedichtes betont diese Gefühlsempfindungen, die das lyrische Ich im Gedicht verdeutlicht (vgl. V. 5 bis 12). Durch die Art der Gefühlsdarstellung lässt sich das Gedicht in die Epoche des „Sturm und Drang“ einordnen, in der die Menschen ihre Gefühle frei ausleben konnten.

 

3.3. Das Gedicht im Kontext    (zum Inhaltsverzeichnis)

Goethe schrieb das Gedicht „Sehnsucht“ in der Epoche des „Sturm und Drang“ für seine damalige Geliebte und Verlobte Anna Elisabeth Schönemann, die er liebevoll Lili nannte. Er lernt diese in Frankfurt bei einer Feier der Schö-nemanns in dessen Haus kennen. Beide verliebten sich und verbrachten viel

Zeit miteinander. Mit dem Gedicht „Sehnsucht“ offenbarte er Lili seine empfundene Liebe. Goethe identifiziert sich mit dem lyrischen Ich, das dem Leser bzw. der Leserin seine Gefühle mitteilt. Im Zeitraum der Jahre 1774 und 1775 verfasste Goethe viele Gedichte für Lili, in denen er ihr seine innere Verbundenheit darlegte. Diese Gedichte sind als die „Lililieder“ bekannt. Das bekannteste Lililieder ist „Lilispark“, das Goethe in der Zeitschrift „Iris“ ver-öffentlichte. Für Goethe war Lili seine große und einzig wahre Liebe: „Sie war in der Tat die erste, die ich tief und wahrhaftig liebte. Auch kann ich sagen, dass sie die Letzte gewesen ist; denn alle kleinen Neigungen, die mich in der Folge meines Lebens berührten, waren mit jener ersten verglichen nur leicht

und oberflächlich.“[14] Mit diesen Gedichten wich der Dichter von seiner Erlebnislyrik ab. Die Gedichte waren nun Erlebnis- und Liebeslyrik zugleich und teilten nur noch seine Gefühle mit. Der „Stürmer und Dränger“ dieser Zeit behielt sein Gefühle nicht für sich, sondern offenbarte diese der Gesellschaft. Die Gefühlesoffenbarung an die Gesellschaft konnte auch im Selbstmord enden. Bald wussten alle Freunde und Familienmitglieder der beiden, die diese Gedichte lasen, was er für Lili empfand. Das Gedicht entstand ein Jahr nach dem Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ und veranschaulicht das stürmische und drängende Wesen Goethes. Mit dem Roman löste Goethe eine unbeabsichtigte Welle von Selbstmorden aus, da so die junge Gesellschaft ihre Gefühle ausdrückte. Noch im Endstehungsjahr des Gedichtes löste Goethe die im Vorjahr eingegangene Verlobung mit Lili, aus Angst sein dichterisches Schaffen aufgeben zu müssen, auf, verließ sie und reiste in die Schweiz. Später hielten Goethe und Lili noch brieflichen Kontakt, der aber bald abbrach.        

 

3.4. Textbewertung (zum Inhaltsverzeichnis)

Die Dichter dieser Epoche, zu denen Goethe gehörte, wollten ihre Gefühle frei ausleben. Das taten sie in ihren Dichtungen. Goethe und andere Dichter wollten den Menschen das Gefühl vermitteln, dass wichtig ist es, seine Gefühle auszuleben und diese nicht für sich zu behalten. Ihre Dichtungen sind voller Emotionen und verdeutlichen das Wesen des „Sturm und Drang“. Das lyrische Ich teilt dem Leser bzw. der Leserin seine Gefühle mit, so dass sie mit ihm mitfühlen oder sich sogar mit ihm identifizieren können. Die Sprache der Gedichte ist sehr kraftvoll und gibt die Empfindungen der Dichter wider. Im Gedicht „Sehnsucht“ teilt Goethe seine Sehnsucht nach Lili mit. Die Darstellung der empfundenen Sehnsucht verdeutlicht das Wesen des „Sturm und Drang“, da Goethe hier frei seine Gefühle der Menschheit mitteilt, ohne Rücksicht auf die Folgen. Er sieht die hier empfundenen Qualen und Schmerzen als etwas Alltägliches an, das um jeden Preis ausgelebt werden muss. 

 

4. Vergleich der Gedichte „Willkommen und Abschied“ und „Sehnsucht“ (zum Inhaltsverzeichnis)

Beide Gedichte thematisieren Goethes Gefühle für eine Frau. Bei „ Willkommen und Abschied“ handelt es sich um Friederike Brion, bei „Sehnsucht“ ist es Anna Elisabeth Schönemann die Herzensdame.

Die Gedichte sind der Epoche des „Sturm und Drang“ zuzuordnen, wobei das Gedicht „Sehnsucht“ noch deutlicher die Merkmale dieser Epoche widerspiegelt. Hier gibt sich der Dichter seinen Gefühlen völlig hin und lebt sie in dem Gedicht aus.

Das Gedicht „Willkommen und Abschied“ hat einen autobiographischen Hintergrund. Die dargestellte Situation hat sich tatsächlich so zugetragen. In      seinem Werk „Dichtung und Wahrheit“ schreibt Goethe dazu: „So stark ich auch ritt, überfiel mich die Nacht. Der Weg war nicht zu verfehlen, und der Mond beleuchtet mein leidenschaftliches Unternehmen. Die Nacht war windig und schauerlich, ich sprengte zu, um nicht bis morgen früh auf ihren Anblick warten zu müssen. (…) Als ich ihr die Hand noch vom Pferde reichte, standen ihr die Tränen in den Augen, und ihr war sehr übel zumute.(…)“[15].

Goethes Lyrik hat durch „Willkommen und Abschied“ eine neue Wendung bekommen, nämlich die Einbeziehung eines persönlichen Hintergrundes. Diese Form von Lyrik wird als Erlebnislyrik bezeichnet. Mit diesem Gedicht fing Goethes dichterisches Schaffen erst an.

„Sehnsucht“ hingegen weicht leicht von der Erlebnislyrik ab und ist eher der Liebeslyrik zuzuordnen. Hier teilt Goethe ganz offen seine Gefühle zu Lili mit.

In diesem Gedicht werden ausschließlich Gefühle wiedergegeben und keine Natureindrücke miteinbezogen wie bei „Willkommen und Abschied“. Hier werden Gefühle mitgeteilt und durch erlebte Natureindrücke verstärkt. Beide Gedichte befassen sich mit den Gefühlen des Dichters zu einer geliebten Frau, in „Sehnsucht“ wird diese Thematik noch vertieft.

 

5. Literaturgeschichtliche Bedeutung der Gedicht (zum Inhaltsverzeichnis)

 

Beide Gedichte schrieb Goethe für Frauen, die er liebte. Mit „Willkommen und Abschied“ änderte sich seine Lyrik. Sie wurde zur „Erlebnislyrik“ und hat autobiographische Hintergründe. Die Gedichte zeichnen sich durch Naturbeschreibungen und die Darstellung empfundener Gefühle aus. Dieses sind typische Merkmale des „Sturm und Drang“. So verdeutlicht Goethe durch die Gedichte der Öffentlichkeit seine Gefühle und lebte diese auf diese Weise aus. Er bewies Anna Elisabeth Schöneman und Friederike Brion in den Gedichten seine Liebe.

Diese Liebe stellt Goethe so eindrucksvoll dar, dass man sich mit dem lyrischen Ich identifizieren kann bzw. mit diesem mitfühlt, zum Beispiel beim Gedicht „Sehnsucht“. Hier beschreibt der Dichter seine Gefühle so ausdrucksstark, dass man geneigt ist mitzuleiden. Das Gedicht ist mit voller Leidenschaft geschrieben, welche beim Lesen deutlich zum Vorschein kommt.

Die Gedichte „Willkommen und Abschied“ und „Sehnsucht“ schildern Momente aus Goethes Leben und gewähren einen Einblick in sein Inneres. Durch den historischen Hintergrund dieser beiden Gedichte erhält der Leser bzw. die Leserin Informationen über das Leben des Dichters.

Die Epoche des „Sturm und Drang“ hat mich persönlich sehr angesprochen. Ich finde es sehr eindrucksvoll, wie die Dichter dieser Epoche ihre Gefühle nur durch ihre Dichtung auslebten. Spontan haben mich beide Gedichte beim ersten Lesen angesprochen. Die positiven und negativen Aspekte der Liebe werden aufgezeigt, sei es Schmerz oder Erfüllung. Besonders interessant finde ich die historischen Hintergründe dieser Gedichte „Willkommen und Abschied“ und „Sehnsucht“. Goethe schildert so eindrucksvoll seine empfundene Liebe zu Anna Elisabeth Schöneman und Friederike Brion, dass meine Neugierde geweckt wurde, mehr über die beiden Frauen zu erfahren.

 


LITERATUR (zum Inhaltsverzeichnis)

 

Conrady, Karlotto                      Goethe: Leben und Werk, erster Band, Unge

                                                   kürzte Ausgabe, Fischer Taschbenbuch Verlag

                                                   GmbH, Frankfurt am Main, September 1988

 

Frenzel, H.A und E.                     Daten deutscher Dichtungen, chronologischer

                                                   Abriss der deutschen Literaturgeschichte; Band

                                                   1 –Von den Anfängen bis zum jungen Deutsch-

                                                   land, 1.Auflage Februar 1962, Deutscher Ta-

                                                   schenbuch Verlag GmbH&CO.KG, München,

                                                   Seite 200-229 und Seite 238 - 245

 

Friedenthal, Richard(Hg.)             Goethe: Sein Leben und seine Zeit, 4.Auflage,

                                                   R.Pieper & Co. Verlag, München 1963

 

Hagmann, Johann                        Johann Wolfgang von Goethe, Aus Dichtung                          

                 August(Hg.)              und Wahrheit, Band 1, Amerbach-Verlag,

                                                   Basel 1949

 

Hoffmann                                    Grundlagen ,Stiele Gestalten der deutschen

Rösch (Hg.)                                 Literatur, Hirschgraben-Verlag, o.J., o.O.

 

Hotz, Karl (Hg.)                          Gedichte aus sieben Jahrhunderten, Interpreta-

                                                   tion, 4.Auflage, L.L. Buchner 1998 ;Rudolf

                                                   Knauf, Interpretationen von <Willkommen                     

                                                   und Abschied> Seite 47 bis 48

 

Trunz, Erich (Hg)                         Goethe, Johann Wolfgang von Goethe, Werke

                                                   Kommentare und Register, Hamburger Ausga-

                                                   be in 14 Bänden, Band 1 Gedichte und Epen 1,

                                                   13.Auflage, CH.Bech’sche Verlagsbuchhand

                                                   lung (Oscar Bech) München 1981

 

Witkowski, Georg                       Goethe, Dichtung und Wahrheit, 3. und 4. Teil,

                                                   Hafis-Bücherei, H.Fikentscher/Leipzig, o.J.

 

 

Auszüge aus folgenden Internetaddressen:

http:// www.hausarbeiten.de./faecher/hausarbeit/big/2411htm

http:// www.euro.com/steffen/jara/history goethe.htm

http:// www.gutenberg.spiegel.de/goethe/gedichte/ohtm/div.htm

http:// www.liebesgedichte.siteware.ch/goethe

http:// www.sewanee.edu/germanliteratur/s&d.html.

http:// www.ni.schule.de/~pohl/literatur/epochen/stdrang.htm

http:// www.microsoft.com/encarta/de/

http:// www.martinum.de/material/listurm.htm

http:// www.xlibris.de/epoche/sturm/sturm/htm

http:// www.jgoethe,uni-muenchen.de/leben/lili.htm

http:// www.jgoethe,uni-muenchen.de/leben/strafric.htm

http:// www.home.t.online.de/home/jowo.reiling/willkomm.htm

http:// www.berg.heim.at/tibet/450508/willkommen.htm


Willkommen und Abschied                                       2.Fassung:1789 (zum Inhaltsverzeichnis)

 


Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!

Es war getan fast eh gedacht.

Der Abend wiegt schon die Erde,

Und an den Bergen hing die Nacht;

Schon stand im Nebelkleid die Eiche,

Ein aufgetürmter Riese, da

Wo Finsternis aus dem Gesträuche

Mit hundert schwarze Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel

Sah kläglich aus dem Duft hervor,

Die Winde schwangen leise Flügel,

Umsausten schauerlich mein Ohr;

Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,

Doch frisch und fröhlich war mein Mut:

In meinen Adern welches Feuer!

In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude

Floß von dem süßen Blick auf mich;

Ganz war mein Herz an deiner Seite

Und jeder Atemzug für dich.

Ein rosenfarbnes Frühlingswetter

Umgab das liebliche Gesicht,

Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter!

Ich hofft’ es, ich verdient’ es nicht!

Doch ach, schon mit der Morgensonne

Verengt der Abschied mir das Herz:

In deinen Küssen welche Wonne!

In deinem Auge welcher Schmerz!

Ich ging, du standst und sahst zur Erden

Und sahst mir nach mit nassem Blick:

Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!

Und lieben, Götter, welch ein Glück![16]


Sehnsucht                                                                                                               1775 (zum Inhaltsverzeichnis)

 


Dies wird die letzte Trän’ nicht sein

Die glühend Herz-auf quillet

Das mit unsäglich-neuer Pein

Sich schmerzvermehrend stillet.

O laß doch immer hier und dort

Mich ewig Liebe fühlen

Und möchte’ der Schmerz auch also fort

Durch Nerv und Adern wühlen.

Könnt’ ich doch ausgefüllt einmal

Von dir, o Ew’ger, werden!

Ach, diese lange tiefe Qual,

Wie dauert sie auf Erden![17]

 



[1] FRIEDENTHAL ,Richard, Goethe Sein Leben und Seine Zeit, S. 166

[2] vgl. HOFFMANN, Rösch, Grundlagen, Stiele, Gestallten der Literatur , S. 131-137

[3]vgl.www.microsoft.com/encarta/de

[4]vgl.www.ni.schule.de/~phol/literatur/epoche/stdrang.htm

[5] vgl.www.microsoft.com/encarta/de

[6] vgl. www.ni.schule.de/~pohl/literatur/epoche/stdrang.htm

[7] vgl.www.microsoft.com/encarta/de

[8] vgl. http://home.t-online.de/home/jowe.reiling/willkomm.htm

[9] vgl. HOTZ, Karl, Geschichte aus sieben Jahrhunderten, Interpretation, S.47-48

[10] vgl. HOTZ, Karl, Geschichte aus sieben Jahrhunderten, Interpretation, S.47-48

[11] vgl. HOTZ, Karl, Geschichte aus sieben Jahrhunderten, Interpretation, S.47-48

[12]  VON GOETHE, Johann Wolfgang, Dichtung und Wahrheit, S. 56

[13] VON GOETHE, Johann Wolfgang, Dichtung und Wahrheit, S.11

[14] FRIEDENTHAL, Richard, Goethe Sein Leben und seine Zeit, S.166

[15] VON GOETHE, Johann Wolfgang, Dichtung und Wahrheit, S. 10 und S. 56

[16] TRUNZ, Erich, Goethe Werke Band 1, S. 28-29

[17] TRUNZ, Erich, Goethe Werke Band 1, S. 97-98