
Hugo von Hofmannsthal
und seine Gedichte
„Die Beiden“ und
„Reiselied“
1.Der Dichter Hugo von Hofmannsthal
1.1 Hugo von Hofmannsthals Leben und
literarisches Schaffen
2. Impressionismus und Symbolismus
2.1 Entstehung des Impressionismus und des
Symbolismus
2.1.1 Merkmale des Impressionismus
2.1.2 Merkmale des Symbolismus
2.2 Hugo von Hofmannsthal, ein Dichter in
der Epochenvielfalt um 1900
3.1 Interpretation des Gedichtes „Die Beiden“ von H. v. Hofmannsthal
3.2 Interpretation des Gedichtes „Reiselied“ von H. v. Hofmannsthal
3.3 Vergleich der beiden Gedichte
4. Begründung zur Auswahl der Gedichte
Das Gedicht „Die Beiden“ von H. v. Hofmannsthal
1.Der
Dichter Hugo von Hofmannsthal
1.1 Hugo
von Hofmannsthals Leben und literarisches Schaffen (zurück
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Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von
Hofmannsthal wird am 1. Februar 1874 als einziger Sohn des Juristen und
Bankdirektors Dr. Hugo August Peter von Hofmannsthal und seiner Frau Anna Maria
in Wien geboren. Schon in seiner Kindheit prägen ihn zahlreiche Theaterbesuche und bestimmen so einen Teil seiner späteren literarischen Entwicklung vor. Seine Eltern fördern schon früh sein sprachliches Talent durch Privatlehrer und verschaffen ihm damit eine gründliche Vorbildung, sodass er einer der besten Schüler des angesehenen Akademischen Gymnasiums in Wien wird.
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Bereits mit sechzehn Jahren veröffentlicht
Hofmannsthal unter dem Decknamen [1] Loris
Melikow einige Gedichte in E.M. Kafkas
Zeitschrift „Moderne Dichtung“[2]. Im
Herbst des Jahres 1890 begegnet er im Café Griensteidl, einem Treffpunkt
berühmter Literaten, Arthur Schnitzer und Richard Beer-Hoffmann, die sein
Talent sehr schnell erkennen. So wird er als siebzehnjähriger ein
Ausschussmitglied des neu gegründeten Vereins für moderne Literatur, der
„Freien Bühne“.
Wie reif Hofmannsthals Lyrik trotz seines
noch jugendlichen Alters auf andere gewirkt haben muss, zeigt die fälschliche
Vermutung Bahrs, dass es sich bei Hugo von Hofmannsthal um einen 40-50 Jahre
alten Mann handle.
Im gleichen Jahr wird er mit seiner
dramatischen Studie „Gestern“ berühmt.
Doch trotz seiner Erfolge fühlt sich Hofmannsthal als Dichter noch nicht richtig anerkannt. Diese Bestätigung kann ihm erst der Dichter Stefan George vermitteln, den er 1891 kennen lernt. Georges Werben um den jungen Hofmannsthal ist ziemlich eindringlich, da er sich erhofft mit ihm zusammen eine „heilvolle Diktatur“[3] der deutschen Literatur führen zu können.
Doch, obwohl sich beide Dichter gegenseitig
faszinieren und bewundern, werden ihre äußerst verschiedenen Charaktere sie
letztendlich auseinander treiben. Hofmannsthal ist gerne in Gesellschaft, lehnt
es jedoch entschieden ab, Anhänger um sich zu scharen. Außerdem zeichnet er
sich durch seine tolerante und offene Haltung anderen Literaturströmungen
gegenüber aus und in seiner Art kein Wesen über das andere zu stellen. Stefan
George dagegen ist stark vom Ästhetizismus geprägt und überträgt anfangs durch
seine dominante und herrschende Art auch etwas von dieser Überzeugung auf
Hofmannsthal. Darum wird dieser auch oft als Ästhet bezeichnet; was jedoch
nicht seinem Selbstverständnis entspricht, da sich Georges ästhetisches
Empfinden vollkommen von seinem eigenen unterscheidet.
1892 besteht Hugo von Hofmannsthal das
Abitur mit Auszeichnung und beginnt noch im gleichen Jahr ein Jurastudium.
Er begeistert sich schon früh für das Drama
und versucht sich von der Lyrik zu lösen, um damit seine Dramen durch Handlung
und dramatisierte Stimmungen auszuzeichnen. Sein 1893 veröffentlichtes
lyrisches Drama „Der Tor und der Tod“ beeindruckt seine Zeitgenossen sowie die
folgenden Generationen wie kein anderes. Allerdings ist die Lyrik in seinem
Jugendwerk trotz allem die bestimmende literarische Gattung.
In den Jahren 1895/96 leistet Hofmannsthal
seinen Militärdienst in Göding und Tulmacz ab. Diese Zeit empfindet er als
bedrückend und langweilig, doch bietet sie ihm zugleich auch viel Freiraum zum
Nachdenken. So erkennt er, dass ihn sein Jurastudium nicht erfüllt und er sich
danach sehnt zu dichten. Darum bricht er es nach der ersten juristischen
Staatsprüfung ab und wendet sich dem Studium der romanischen Philologie[4] zu,
das er 1898 mit der Verleihung des Doktorgrades abschließt.
Hofmannsthals Freundschaft mit vielen
norddeutschen Zeitgenossen und sein Zusammenkommen mit deutschen, aber auch
internationalen Schriftstellern, Schauspielern und Künstlern machen ihn zu
einem der weltoffensten der Wiener Dichter[5].
1901 bewirbt er sich bei der Wiener Fakultät
um dort Vorträge halten zu dürfen, entscheidet sich dann aber doch für ein
Leben als freier Schriftsteller.
Am 08.Juni desselben Jahres heiratet
Hofmannsthal Gerty Schlesinger, eine Tochter des Generalsekretärs der anglo-
österreichischen Bank, die Heiterkeit und Unbefangenheit in sein Leben bringt.
Zusammen ziehen sie in einen Vorort
Wiens, nach Rodaun. Fast ein Jahr später wird am 14.Mai 1902 seine Tochter
Christiane geboren.
Doch trotz dieser freudigen Ereignisse
befindet sich Hofmannsthal in einer Sprachkrise. Er erkennt, dass ihn der
Ästhetizismus in seinem literarischen Schaffen hemmt, da er im Widerspruch
steht zu seinen Interessen und Leidenschaften, wie zum Beispiel dem Theater.
Aus diesem Grund versucht er diesen und auch den Lyrismus zu überwinden. In dem
„Brief des Lord Chandos“ drückt sich diese Sprachkrise aus, in der Hofmannsthal
auch an den eigenen Fähigkeiten zu zweifeln beginnt.
Am 29. 0ktober 1903 kommt sein Sohn Franz
auf die Welt und auch sein Lyrikband „Gesammelte Gedichte“ wird veröffentlicht.
Beinahe drei Jahre später wird nicht nur Hofmannsthals jüngster Sohn Raimund
geboren, sondern auch die langjährige Bindung zu Stefan George durch eine
gravierende Meinungsverschiedenheit endgültig beendet. Dies trägt dazu bei,
dass Hofmannsthal sich nun vollkommen
von seiner Vergangenheit als Lyriker löst.
Die Begegnung mit Richard Strauss bestärkt
ihn in seinem Wunsch seine Werke vertonen zu lassen. In der nachfolgenden
langen Zusammenarbeit mit Strauss produziert er sechs Opern und ein Ballett,
darunter „Elektra“ und „Der Rosenkavalier“ und erschafft damit eine neue Form
des Musiktheaters.
In der Zeit des Ersten Weltkrieges ist
Hofmannsthal einer der vielen Schriftsteller die sich in den kriegerischen
Handlungen der Habsburger Monarchie und des deutschen Reichs wiedererkennen
können. Als dann letztendlich die „österreichisch-ungarische Monarchie“[6]
zerfällt, ist er davon tief betroffen. Von nun an fühlt sich Hofmannsthal mehr
und mehr verantwortlich für die Erhaltung des österreichischen Kulturerbes zu
sorgen. So bereitet er über mehrere Jahre hinweg in Zusammenarbeit mit Max
Reinhardt und Richard Strauss die Salzburger Festspiele vor, welche am 22.
August 1920 beginnen und damit den Festspielgedanken fördern. Ihr Mittelpunkt
ist Hofmannsthals Mysterienspiel „Jedermann“.
In den zwanziger Jahren verschlechtert sich
sein Gesundheitszustand fortlaufend. Als Hofmannsthal am 15. Juli 1929 zum
Begräbnis seines durch Suizid verstorbenen Sohnes Franz aufbrechen will,
erleidet er einen Schlaganfall, an dessen Folgen er noch am gleichen Tag
stirbt.
2.
Impressionismus und Symbolismus
2.1
Entstehung des Impressionismus und des Symbolismus (zurück
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Der Impressionismus und der Symbolismus sind
zwei der zahlreichen Epochen, die in der Epochenvielfalt um die
Jahrhundertwende vom 19. ins 20.Jahrhundert herum entstehen. Die literarische
Bewegung des Symbolismus entwickelt sich ursprünglich Ende der 1880er Jahre in
Paris, von wo aus sie sich in ganz Europa und Nordamerika durchsetzt. Beim Impressionismus
handelt es sich dagegen um eine schwer einzugrenzende Epoche, da viele ihrer
Vertreter eine innere Wandlung vom Naturalisten zum Impressionisten bis hin zum
Expressionisten durchmachen. Jedoch umfassen beide Epochen ungefähr den
Zeitraum von 1890-1920, eine Zeit, die geprägt ist vom Imperialismus, dem
Ersten Weltkrieg, der raschen industriellen Entwicklung und einer von den
Literaten als gefühlskalt und unmenschlich bewerteten Gesellschaft, welche die
Autoren beinahe anekelt. Aus diesem Bewusstsein heraus können sich sowohl
Impressionisten als auch Symbolisten nicht mehr mit dem Naturalismus
identifizieren, der die Wirklichkeit einfach akzeptiert und zudem noch versucht
sie so realistisch wie möglich wiederzugeben, und wenden sich deshalb von ihm
ab. Im Gegensatz zu der nüchterner Ausdrucksweise des Naturalismus verspüren
die Impressionisten den Wunsch sich entfalten zu können. Aus sinnlichen
Wahrnehmungen wird ein Bild der Realität erschaffen.
In seinen Grundzügen ist der Symbolismus
zwar als anspruchsvoller Impressionismus zu verstehen, jedoch richtet er sich
noch intensiver und konsequenter gegen jegliche Spiegelung der Wirklichkeit, da
seine Vertreter die soziale, politische und moralische Lage für unveränderbar
halten.
Trotz dieser Gemeinsamkeiten lassen sich
dennoch einige Unterschiede zwischen den beiden Epochen erkennen.
2.1.1
Merkmale des Impressionismus (zurück
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Dem Impressionismus oder der Eindruckskunst
kommt es darauf an, persönliche und zufällige Eindrücke oder Stimmungen
einzufangen und festzuhalten[7].
Daraus ergibt sich die typisch subjektive Betrachtungsweise und die Abwendung
von der Masse zum Einzelwesen[8].
Somit verschwindet auch die Darstellung der sozialen Probleme und der Politik
als geeignetes Thema der impressionistischen Literatur. Da es den
Impressionisten darum geht, Gefühle zu wecken und Atmosphäre zu schaffen und
nicht Botschaften zu übermitteln oder einen Vorgang zu beschreiben, kommt es
leicht zu einer Auflösung der inhaltlichen Zusammenhänge. Stattdessen werden
Bilder aneinander gereiht, die Stimmungen des Individuums statt Wirklichkeiten
vermitteln. Aus diesem Grund handelt es sich bei den bevorzugten literarischen
Gattungen des Impressionismus vor allem um Lyrik und kurze Prosatexte. Dramen
entstehen aufgrund der kaum vorhandener Handlung selten. Charakteristisch für
die impressionistische Lyrik ist besonders die Verwendung von Synästhesie,
Oxymeron und Klangmalerei. Liebe, Tod, Kunst und Leben sind die am häufigsten
bearbeiteten Themen.
Einige der größten Gefahren, die diese
Epoche in sich birgt, sind die einseitige Darstellung der ungefährlichen Seiten
des Lebens, die Errichtung einer Scheinwelt und der damit verbundenen Flucht
vor der Wirklichkeit.
2.1.2
Merkmale des Symbolismus (zurück
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Anfangs beeinflusst der Symbolismus vor allem
die Lyrik, später jedoch auch andere literarische Gattungen. Die Vertreter des
Symbolismus protestieren stellvertretend für das Unsichtbare, Emotionale und
Absonderliche gegen die nur sichtbar und sachlich erfassbare Welt der
Wirklichkeit[9].
Doch nicht nur die Abkehr von der Realität ist charakteristisch, sondern auch
der Ausschluss der Individualität. So werden im Symbolismus weder Tatsachen
beschrieben noch handelt es sich um bekennende Literatur, die von Subjektivität
oder Zärtelei geprägt ist. Die Vertreter dieser Epoche verfolgen das Ziel ihre
Leser für die Regungen ihrer Seele aufgeschlossener und sensibler zu machen.
Jedoch soll dieser Kreis der Leser auf eine Elite beschränkt bleiben. Hier
tritt wieder der Gegensatz zum „auf die Masse wirken wollenden Naturalismus“[10]
auf.
In der symbolistischen Lyrik vermischt sich
Wirkliches mit Vorgestelltem, Unfassbarem und Sagenhaftem. So wird versucht in
einen emotions- und seelenbetonteren Bereich einzutauchen.[11] Die
Symbole stehen dabei für das Geheimnisvolle der Welt und des eigenen Wesens.[12]
2.2
Hugo von Hofmannsthal, ein Dichter in der Epochenvielfalt um 1900 (zurück
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Hugo von Hofmannsthal lebt in einer Zeit,
die eine große Anzahl und Vielfalt an Epochen oder Stilrichtungen
hervorgebracht hat. Und genauso vielseitig und reichhaltig wie die Epochen seiner Zeit ist auch sein
Gesamtwerk, was es besonders schwer macht, ihn in nur eine Epoche einzuordnen.
Er ist sowohl Vertreter des Jugendstils und der Neuromantik als auch des Impressionismus
und des Symbolismus. Letztere beiden können aber am ehesten als maßgeblich für
sein literarisches Schaffen bezeichnet werden. So ist Hofmannsthal einer der
bedeutendsten Vertreter des
österreichischen Impressionismus, aber auch wichtig für den Symbolismus.
In seinen Gedichten nimmt er typisch
impressionistische und symbolistische Motive wie Seele, Traum, Welt, Leben, Tod
und Natur auf, wobei hier vielmehr eine wunderschöne, beinahe perfekt
erscheinende Phantasiewelt und nicht die reale Natur gemeint ist. Hofmannsthal
überträgt nicht einfach die Realität auf seine Lyrik, sondern ruft durch
Rhythmus und Klang eine Stimmung oder eine seelische Befindlichkeit hervor, in
der das Leben spirituell erfahrbar ist[13].
Trotz seines lyrischen Talents versucht er schon bald eine Verbindung zum von
Stefan George missbilligten Leben, zum Theater, zur Tageszeitung oder zur Oper
herzustellen und sich damit der Wirklichkeit zu zuwenden. Diese Veränderung in
seinem Denken und Handeln spiegelt sich auch in der Entwicklung Hofmannsthal
vom Lyriker zum Dramatiker wider. So stellt der „Brief des Lord Chandos“, den
Höhepunkt seiner Schaffenskrise dar und ist auch zugleich ein Hinweis für seine
neue, gerade anbrechende schöpferische Phase. Da in ihm die abstrakte Sprache
kritisiert wird, empfinden Hofmannsthals Zeitgenossen ihn als epochalen Bruch.
Mit dem Wandel seines literarischen
Schaffens verändert sich zugleich Hofmannsthals Sprachgebrauch. So wendet er
sich von der vor allem für den Symbolismus gebräuchlichen Art des
geheimnisvollen und künstlerischen Sprechens ab, hin zu Komödien, die
zurückhaltende Ironie, Dialekt und Jargon in sich vereinen. Hugo von
Hofmannsthal, das „lyrische Wunderkind[14]“,
der „Magier des Wortes“[15],
nähert sich langsam aber stetig der ethisch- politischen Wirklichkeit.
Besonders im und nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem Zerfall der
Kaiser-und-König Monarchie setzt er sich immer engagierter für die Erhaltung
der österreichischen Kultur und der Würdigung der deutschen Sprache ein, da ihm
die zunehmende ungeistige Grobheit widerstrebt. Auf diese Weise verändert sich
seine Grundhaltung von einer geschmackvoll künstlerischen zu einer der Volksart
entsprechenden. Darum handeln Hofmannsthals Werke von diesem Zeitpunkt an auch
von der Befreiung des Einzelnen aus der Isolierung. Motive hierfür sind Ehe und
Staat. Er wendet sich also sozialen oder auch politischen Themen zu.
Mit der Annäherung an die Realität und die Gesellschaft verhält sich
Hofmannsthal vollkommen gegensätzlich zu seinen Epochen. Den Impressionismus
hat er eigentlich schon mit der Abwendung von der Lyrik hinter sich gelassen
und als überzeugter Symbolist kann er auch nicht mehr bezeichnet werden, da
sich ein symbolistischer Dichter so weit wie möglich von der Realität absondern
solle, um die vollkommene antinaturalistische Perfektion zu erlangen, was
Hofmannsthal nicht befolgt. Ganz im Gegenteil, er „bleibt inmitten einer
maßlosen und ungestümen Epoche einer maßvollen Kunst treu.“[16]
3.
Gedichtsanalyse
3.1
Interpretation des Gedichtes „Die Beiden“ von H. v. Hofmannsthal (zurück
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Das 1896 entstandene Gedicht „Die Beiden“
von Hugo von Hofmannsthal handelt von der Schwierigkeit einem anderen Menschen
die eigenen Gefühle zu offenbaren und sich dadurch verletzbar zu machen.
In dem gesamten Gedicht tritt kein Sprecher
auf, wodurch es unpersönlich wirkt und dem Leser eine distanzierte und alles
überblickende Position verschafft. Die darstellende Schilderung der äußeren
Situation in allen drei Strophen verstärkt diesen Eindruck von Unnahbarkeit
zusätzlich. Jedoch scheint sich besonders in der dritten Strophe die innere
Situation der beschriebenen Personen „Er“(V.6) und „Sie“(V.1) in der
aufgezeigten äußeren Situation widerzuspiegeln. Dies mindert das Gefühl von
Distanz ein wenig und lässt das Gedicht auch expressiv wirken, obwohl in ihm kein
lyrisches Ich oder lyrisches Wir seine Empfindungen ausdrückt.
„Die Beiden“ besteht aus drei Strophen, von
denen die ersten beiden jeweils vier und die letzte sechs Verse aufweist. Die
Anordnung der Strophen in zwei Quartette und zwei Terzette, die zu einem
Sextett zusammengefasst wurden, weisen auf ein umgewandeltes Sonett hin. Auch
die Reimanordnung und das Versmaß entsprechen nicht dem eines klassischen
Sonetts[17]. In
der ersten Strophe ist ein Paarreim zu finden, wohingegen die zweite Strophe
einen umarmenden Reim und die dritte einen Kreuzreim besitzt, der eine Kadenz umschließt. Dem reinen
stumpfen Reim der ersten Strophe steht die Mischung aus klingenden[18] und
stumpfen[19]
Kadenzen der anderen beiden Strophen entgegen. Außerdem beinhaltet das Gedicht
einen Binnenreim (V.5). Ebenso wie der überwiegend vorhandene Zeilenstil mit
dem vierhebigem Jambus harmoniert, unterstützen die Zeilensprünge (V.7fff.) den
bauenden Rhythmus des Gedichtes.
Der inhaltliche Aufbau in These, Antithese
und Synthese ist mit dem eines klassischen Sonetts identisch[20].
In allen drei Strophen werden
Bewegungsabläufe geschildert und dabei bis ins Detail beschrieben. Der Blick
des Beobachters wandert dabei von der einen zur anderen Person, bis sich diese
schließlich in einem Bild zusammenfinden.
In der ersten Strophe trägt eine Frau einen
Becher mit solcher Behändigkeit und Anmut, das nichts daraus verschüttet wird.
Die zweite Strophe beschreibt Ähnliches,
einen Mann, der ohne besondere Anstrengung, beinahe mit Leichtigkeit sein ungestümes
Pferd zum Stehen bringt. Beide Strophen strahlen eine sichere und
unproblematische Atmosphäre aus.
Dies ändert sich jedoch in der dritten
Strophe, in der sich der Mann und die Frau treffen. Als er ihr den Becher aus
der Hand nehmen möchte, zittern beide so sehr, dass dies misslingt und der
ganze Inhalt vergossen wird. Dieses Missgeschick verleiht der dritten Strophe
eine unsichere, unbehagliche und beinahe tragische Stimmung.
Zudem beinhalten alle Strophen in sich eine
Steigerung, die bis zum Ende des Gedichtes den Aufbau einer Spannung bewirkt.
Das Motiv und die Aussage des Gedichtes
werden durch die Verwendung von rhetorischen Figuren unterstützt.
Mit der Zweierfigur „Kinn und Mund“ (V.2)
verbindet man zwei Gesichtspartien, die bei genauerer Betrachtung parallel
erscheinen. Durch die Gleichsetzung mit dem „Rand“ des „Bechers“ bildet sich
ein noch viel intensiveres Bild der „Klarheit“ und „Reinheit“[21]
heraus, das wegen der sinnlichen Wirkung des Mundes auch Gedanken der Schönheit
und Eleganz hervorruft. Die Tautologie „leicht und sicher“(V.3) strahlt ein
Gefühl der Unbeschwertheit und Sicherheit aus, das durch die Inversion „So
leicht und sicher“(V.3) in den Vordergrund gerückt wird. Die Frau, um die es in
der ersten Strophe geht, scheint ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein zu haben
und völlig unbetrübt zu sein. Die Personifikation „Kein Tropfen aus dem Becher
sprang“ (V.4) hat eine unterstützende
Wirkung auf die vorherrschende Stimmung der völligen Kontrolle und der
Sicherheit, weil die aktive Bewegung des Tropfens durch das Adverb „kein“
gebändigt, sogar unterdrückt wird. Da nicht ein einziger Tropfen verschüttet
wird, hebt das Nomen „Tropfen“ (V.4) das Bild der Vollkommenheit hervor. Mit
einem „Tropfen“ assoziiert man normalerweise etwas sehr kleines, feines und vor
allem einzelnes, hier aber steht er als Pars pro Toto für den gesamten Inhalt
des Bechers, was seine Bedeutung verstärkt.
Diese Stimmungen der Gefahrlosigkeit und der
Leichtigkeit gehen von der „Hand“ aus über „Kinn und Mund“ bis sie schließlich
im „Gang“ durch den ganzen Körper strömen. Durch die dauernde Gegenwart dieser
Seelenlagen wird ihre Wichtigkeit betont.
„So leicht und fest“ (V.5) ist eine
Inversion, Tautologie und Anapher zugleich. Mit den Adjektiven „leicht und
fest“ verknüpft man Mühelosigkeit und Stärke. Diesen Assoziationen wird durch
die Inversion „So“ (V.5) eine besondere Bedeutung verliehen.
Die Anapher stellt zwischen der Stimmung der ersten und der zweiten
Strophe eine Verbindung her und betont auf diese Weise die große Ähnlichkeit
dieser Stimmungen.
Die nächsten drei Verse zeugen von der
Überlegenheit des Mannes über sein Pferd. Dabei heben die Adjektive „jung“
(V.6) und „nachlässig“ (V.7) die Dominanz des Reiters hervor, da bei einem
„jungen Pferd“ an ein wildes, ungestümes Tier voller Energie gedacht wird,
während man eine „nachlässige Gebärde“ eher mit Leichtigkeit als mit großer
Kraftanstrengung verbindet. Diese Mühelosigkeit wird durch die Antithese „Und
mit nachlässiger Gebärde“, „Erzwang er, dass es zitternd stand“ (V.7,8)
nochmals unterstrichen, weil etwas erzwingen schon sehr kräftezerrend und
nervenaufreibend sein kann. Die Alliteration „Erzwang er“ (V.8) betont diesen
Gegensatz erneut, genauso wie der dort vorhandene Zeilensprung. Auch die
Hyperbel „zitternd“ (V.8) und die Hypotaxe „Erzwang er, dass es zitternd stand“
(V.8), welche durch die Konjunktion „dass“ die Bestimmtheit und
Entschlossenheit des Reiters ausdrückt, heben abermals seine Überlegenheit
hervor.
Auch in dieser Strophe weitet sich das
Gefühl der Sicherheit von der „Hand“ und durch den Ritt und die „Gebärde“ bis
in den ganzen Körper aus und ist damit wieder die ganze Zeit gegenwärtig.
Die Inversion „Jedoch“ (V.9) hebt die
einräumende oder gegensätzliche Wirkung des Wortes hervor und kündigt somit
einem Wandel der Stimmung an. Das Adjektiv „leichten“ (V.10) betont nochmals
die scheinbare Mühelosigkeit. Auch die Antithese „Den leichten Becher nehmen
sollte, So war es beiden allzu schwer“ (V.10f.) und die Hyperbel „allzu“ (V.11)
verstärken den entstandenen Kontrast zwischen der selbstbewussten und
problemlosen Stimmung der ersten beiden Strophen und dem nun plötzlich
auftretenden Gefühl der Machtlosigkeit und Verzweiflung. Diese neue Empfindung
wird durch die b-Alliteration „beide bebten“ und die s-Alliteration „sie so
sehr“ (V.12), welche die Erregtheit, Aufregung und auch Kraftanstrengung der
„beiden“ ausdrückt, unterstützt.
Der Schlagreim und die gleichzeitige
Vermenschlichung „Hand (...) fand“ (V.13) sowie die Epiphora „Hand“ (V.1,5,9)
stellen die besondere Bedeutung der Hand heraus. In den ersten beiden Strophen
steht die Hand für Stärke und Zuversicht, in der Dritten drückt sie jedoch eher
Verletzlichkeit aus.
Ebenso verbindet die Epiphora „Hand“ alle
drei Strophen miteinander, da sie jeweils im ersten Vers der nächsten Strophe
steht. Auf diese Weise hebt sie so die Zusammengehörigkeit der Strophen hervor.
Die dritte Strophe ist insgesamt sehr
hypotaktisch, was zu einem Spannungsaufbau führt, der sich bis zum letzten Vers
fortsetzt.
Der durch das Verb „rollte“ (V.14)
personifizierte „Wein“ stellt den Umbruch von der erzwungenen Passivität (vgl.
v.4) zur Aktivität dar. Diese Wendung beinhaltet sozusagen eine Niederlage der
„beiden“, welche durch das Adjektiv „dunkler“ (V.14), indem es eine düstere,
bedrückte fast traurige Stimmung hervorruft, verstärkt wird.
Das Selbstbewusstsein und die überlegene
Haltung beider wandelt sich in Verunsicherung und Unterlegenheit.
Auch der in der ersten und der dritten
Strophe erwähnte „Becher“(V.1,4,10) und sein Inhalt „Tropfen“(V.4) und
„Wein“(V.14) hat eine besondere Bedeutung. Er steht für die Gefühle des „Er“
und der „Sie“, welche in dem Becher im gesamten Gedicht präsent sind. Am Anfang
scheinen sie vollkommen gesichert zu sein (vgl.V.4), doch am Ende, als sich
beide annähern und die Gefühle des anderen annehmen wollen (vgl.V.9f.), sind
sie dazu nicht fähig und verlieren sie (vgl.V.14).
Das Gedicht „Die Beiden“ handelt von der
Schwierigkeit einem anderen Menschen die eigenen Empfindungen zu offenbaren oder
verständlich zu machen und die Gefühle des anderen annehmen zu können. In der
Erregtheit der beiden Personen „Er“ und „Sie“ (vgl. V.12) spiegelt sich nicht
nur der Starke Willen und der Wunsch wider, zueinander zu finden und die
eigenen Gefühle mit dem anderen zu teilen, sondern auch die Angst davor
zurückgewiesen oder verletzt zu werden. Genau dieser Zweikampf zwischen den
Emotionen und dem Verstand führt zu einer Unsicherheit der beiden, die ihren
Annäherungsversuch scheitern lässt.
Darauf, dass es in dem Gedicht um eine
zwischenmenschliche Beziehung geht, weist schon die Überschrift „Die Beiden“
hin. Ebenso verstärkt der Aufbau: These, Antithese, Synthese durch den
vorbereitenden Charakter der ersten beiden Strophen und den auflösenden
Charakter der dritten Strophe die Aussage des Gedichtes.
„Die
Beiden“ ist eindeutig dem Symbolismus zu zuordnen und kein impressionistisches
Gedicht. Hierfür spricht das Fehlen des lyrischen Ich oder Wir sowie die
symbolträchtige Sprache, wie „Hand“(V.1,5,9,13) oder „Becher“(V.1,4,10). Auch
die beinahe perfekte ausgestaltete Struktur, die vor allem in der Ähnlichkeit
zum klassischen Sonett, im Reim oder den vielen verschiedenen rhetorischen
Figuren erkennbar wird, ist typisch für den Symbolismus und trägt zu der Einordnung
des Gedichtes in dieser Epoche bei. Jedoch enthält „Die Beiden“ wegen der
durchgängigen Bewegung der beschriebenen Personen und Gegenstände auch ein
Element des Jugendstils[22].
Objektiv betrachtet ist die äußere Form und
die inhaltliche Struktur, so wie sie für den Symbolismus gebräuchlich ist,
vortrefflich gelungen. So erscheint das Gedicht besonders durch die
unterschiedlichen Reimanordnungen in jeder Strophe sehr kompliziert und
entspricht deshalb der Vorstellung der Symbolisten, dass ihre Werke nur für
eine Elite verständlich sein sollen, da sie sich von der Gesellschaft
abgewendet haben.
Subjektiv beurteilt handelt es sich bei „Die
Beiden“ um ein sehr emotionales Gedicht, was seine Gefühlsbetontheit und
Leidenschaftlichkeit vor allem durch die Darstellung von Bewegungen und durch
Reim, Rhythmus und rhetorische Figuren „Denn beide bebten sie so sehr“(V.12)
erhält. Gleichzeitig regt der unerwartete Schluss auch zum Nachdenken an.
Da das Präteritum verwendet wird, erscheinen
die beschriebenen Personen so weit entfernt zu sein, dass sie schon fast irreal
wirken. Dies schwächt die doch eigentlich ziemlich reelle Aussage des Gedichts.
3.2
Interpretation des Gedichtes „Reiselied“ von H. v. Hofmannsthal (zurück
zum Inhaltsverzeichnis)
Das 1908 entstanden Gedicht „Reiselied“ von
Hugo von Hofmannsthal handelt von der seelischen Flucht der Menschen aus der
Realität.
Die erste Strophe erscheint expressiv, da
das lyrische Wir seine Empfindungen bei der Betrachtung der äußeren Situation
verdeutlicht.
In der zweiten und dritten Strophe des Gedichtes
gibt es dagegen keinen Sprecher. Es wird also nur die äußere Situation
geschildert, weswegen sie eher einen darstellenden Charakter haben.
Die Expressivität des lyrischen Wir fließt
jedoch auch in die Strophen ohne Sprecher mit ein, sodass diese auch indirekt
leicht expressiv wirken.
Das Gedicht besteht aus drei Strophen, von
denen die erste Strophe vier Verse und die Zweite und Dritte jeweils drei Verse
haben. Den klingenden Kadenzen des Kreuzreims der ersten Strophe in Vers 6 und
9 stehen die stumpfen Kadenzen der dreifachen Reimreihe der anderen beiden
Strophen gegenüber. Der vierhebige Trochäus sowie die dreifache Reimreihe
unterstützen den fließenden Rhythmus des „Reiseliedes“ ebenso wie die
Zeilensprünge (V.3f.,6f.,8f.), die in jeder Strophe vorhanden sind.
Alle diese Elemente machen die
Zusammengehörigkeit der zweiten und dritten Strophe und damit die Abgrenzung
von der ersten Strophe deutlich.
Die erste Strophe ist voller Bewegung. Das
lyrische Wir scheint vom Wasser verschlungen und vom Fels erschlagen zu werden,
was eine bedrohliche Stimmung erzeugt. Doch kräftige Vögel kommen, um es
„fortzutragen“. Der Blick des Betrachters ist generell nach oben gerichtet, die
Blickrichtungen wechseln jedoch sehr schnell, sodass eine hektische und sogar gehetzte
Stimmung geschaffen wird.
Die Seelenlage in der zweiten Strophe ist
genau gegensätzlich zur Ersten. Durch die Bewegungslosigkeit entsteht eine
vollkommenen Ruhe, die durch den weiten, nach unten gerichteten Blick in ein
fruchtbares Tal unterstützt wird.
In der dritten Strophe wird dieses Land im
Detail beschrieben, so kann man „leichte Winde“ wehen sehen, die das Bild
wieder in Bewegung bringen. Die „Marmorstirn“, der „Brunnenrand“ und das
„blumige Gelände“ verleihen dem Ganzen allerdings etwas Künstliches.
Die verwendeten rhetorische Figuren
unterlegen das Motiv und die Aussage des Gedichtes.
Die Personifikation des Wassers mit „zu
verschlingen“ (V.1) und des Felsens mit „zu erschlagen“ (V.2) kreieren eine
sehr bedrohliche und ängstigende Stimmung, da man bei dem Verb „verschlingen“
eher an blutrünstige Raubtiere als an „Wasser“ denkt. So entsteht auch das
Gefühl verfolgt zu werden, und damit eine sehr gehetzte Stimmung. Die Ellipse
„Rollt der Fels uns zu erschlagen“ (V.2) verstärkt diese verfolgende Aktivität
des normalerweise unbeweglichen Felsens. Das Hyperbaton „Kommen“ und die
s-Alliteration „schon auf starken Schwingen“ (V.3) unterstützen die empfundene
Bewegung in dieser Strophe. Durch die Hyperbel „Vögel her, uns fortzutragen“
(V.4) wird die Flucht des lyrischen Wir aus der bedrohlichen Stimmung und dem
Chaos verdeutlicht und herausgestellt.
Die einwendende Konjunktion „Aber“ (V.5)
kündigt einen Gegensatz und damit einen Stimmungswechsel an und macht auf das
durch „liegt“ (V.5) vermenschlichte „Land“ aufmerksam, welches Passivität
ausdrückt und somit ein Gefühl von Ruhe, Gelassenheit, Harmonie und
Harmlosigkeit vermittelt.
Die Synästhesie „Früchte spiegelnd“(V.6)
erzeugt, verbunden mit den beiden Hyperbeln „ohne Ende“(V.6) und „In den alterslosen
Seen“(V.7), das Bild eines fruchtbaren Paradieses, in dem man sorglos bis in
alle Ewigkeit leben kann.
Die Zweierfigur „Marmorstirn und
Brunnenrand“(V.8) betont die Künstlichkeit dieser beiden Gegenstände, die
zusammen mit dem „blumigen Gelände“, auf dem sie sich befinden und das man mit
einem künstlich angelegten Park
verbinden kann, die einzigen von Menschenhand erschaffenen
Unnatürlichkeiten in diesem Gedicht darstellen. Mit der Alliteration „Winde
wehen“(V.10) gerät das vorher noch ziemlich starre Bild wieder in Bewegung und
erhält ein wenig von seiner Natürlichkeit zurück. Das vorgestellte Adjektiv
„leichten“(V.10) verleiht dem Wind Sanftheit und beinahe Zartheit, was wiederum
Misstrauen an diesem Bild der Vollkommenheit und Harmonie weckt und somit das
Trügerische dieser scheinbar so perfekten Welt hervorhebt. Dadurch wird wieder
und abschließend an die unwirkliche und künstliche Welt des Traums, in die sich
das lyrische Wir vor der Realität flüchtet, erinnert.
Das Gedicht „Reiselied“ handelt von der
seelischen Realitätsflucht der Menschen, die sich aus Angst vor der ihnen
bedrohlich und abstoßend erscheinenden Wirklichkeit in eine imaginäre und
künstlich erschaffene irreale Welt, in eine Art
phantastischen Traum, zurückziehen. Um diese Flucht deutlich zu machen,
wird der inhaltliche Kontrast und die gravierend unterschiedlichen Stimmungen
zwischen der ersten und den letzten beiden Strophen durch die äußere Form
verstärkt. Auch die Überschrift „Reiselied“ erinnert an eine Wanderschaft der
Seele durch verschiedene Stimmungen, deren Ziel eine unwirkliche und
eingebildete Traumwelt ist.
Wird nur die äußere Form und die Sprache des
Gedichtes beachtet, so ist es eher in den Impressionismus einzuordnen. Einen
Beleg dafür stellt vor allem die Verwendung eines lyrischen Wir dar, das seine
Gefühle bei der Betrachtung der Natur ausdrückt. Auch die Passivität der
Menschen, welche die Natur nur ansehen, aber nicht aktiv in sie eingreifen,
spricht für den Impressionismus. Ebenso ist die Beschreibung der Natur, die
Gefühle und Stimmungen erweckt, sowie die Abwendung von der Wirklichkeit,
welche aus der Aussage hervorgeht, typisch impressionistisch. Auf diese Aussage
gestützt, bilden sich aber auch symbolistische Merkmale heraus, da die
Ablehnung der Realität, das Anti-naturalistische sogar noch mehr für den
Symbolismus kennzeichnend ist. Unter biographischen Gesichtspunkten betrachtet,
wird in diesem Gedicht Georges Einfluss auf Hofmannsthal sichtbar, da es so
erscheint, als ob es sich bei dem lyrischen Wir um eine Elite von Ästheten und
Symbolisten handelt, wie sie George etablieren wollte.
Objektiv betrachtet setzt Hofmannsthal sein
genaues Bild von seiner Zeit und sein Krisenbewusstsein ideal in dem Gedicht
„Reiselied“ um. Die verwendete Sprache, die Struktur, der Inhalt und die
erzeugten Wirkungen unterstützen sich gegenseitig und erzielen so ein
phantastisches Ergebnis. Die gewählte Überschrift „Reiselied“ passt zwar zu der
Aussage, sie hat aber ebenso eine verharmlosende Wirkung auf den Leser und verstärkt
so das in den letzten beiden Strophen erschaffene Trugbild einer vollkommenen
und sicheren Welt.
Wird das Gedicht unter subjektiven Aspekten
bewertet, so ist zu sagen, dass Hofmannsthal mit „Reiselied“ ein Gedicht voller
Rhythmus und Klang geschaffen hat, bei
dem wirklich der Eindruck erweckt wird, sich zu bewegen. Die sehr bildhafte
Sprache regt die Phantasie und das Vorstellungsvermögen der Leser an, was dem
Gedicht einen lebendigen Charakter und somit seinen Reiz verleiht. Allerdings
erscheint es im ersten Moment sehr oberflächlich zu sein und keine tiefere
Bedeutung zu haben, da rein äußerlich scheinbar nur die wahrgenommene,
natürliche Umgebung auf einer Wanderung beschrieben wird.
3.3
Vergleich der beiden Gedichte (zurück
zum Inhaltsverzeichnis)
Sowohl „Die Beiden“ als auch „Reiselied“
beschäftigen sich mit der menschlichen Seele. Außerdem beinhalten beide
Gedichte die Abneigung gegen die Realität. In „Die Beiden“ drückt sie sich im
Scheitern an der Wirklichkeit, in der Unfähigkeit mit Gefühlen umgehen zu
können, aus, während es sich im „Reiselied“ eher um eine Flucht vor der
Wirklichkeit in eine irreale, perfekt erscheinende Traumwelt handelt.
Diese Ähnlichkeit der Motive lässt sich
durch den kurzen Zeitabstand, in dem beide Gedichte geschrieben wurden,
erklären. „Die Beiden“ erschien 1896 und „Reiselied“ nur zwei Jahre später
1898.
Darum ist es um so erstaunlicher, dass die
beiden Gedichte nicht der gleichen Epoche zugeordnet werden können. So gehört
„Die Beiden“ dem Symbolismus und auch teilweise dem Jugendstil an, während es
sich bei „Reiselied“ um ein impressionistisches Gedicht mit leichtem
symbolistischen Einfluss handelt.
Für Hofmannsthal ist keines der beiden
Gedichte von ausschlaggebender Bedeutung. Sie beeinflussten weder sein
alltägliches Leben noch veränderten sie Hofmannsthals Ansehen in seinem
dichterischen Umfeld gravierend. Dennoch sind „Die Beiden“ und „Reiselied“ für
Hofmannsthals Art zu schreiben beispielhaft.
4. Begründung zur Auswahl
der Gedichte (zurück
zum Inhaltsverzeichnis)
Von den wenigen Gedichten, die Hugo von
Hofmannsthal in seiner gesamten Schaffenszeitgeschrieben hat, gilt keines als
das Berühmteste. Jedoch zählen die ausgewählten Gedichte „Die Beiden“ und
„Reiselied“ zu den schönsten Zeugnissen der deutschsprachigen Literatur.
Überdies spiegeln sie beide den Zeitgeist
und das Krisenbewusstsein sowohl der Impressionisten als auch der Symbolisten
wider.
Dies zeigt deutlich, wie unmöglich es ist,
Hofmannsthal nur einer Epoche zu zuordnen, und dass es auch schwierig sein
kann, ihn in zwei Literaturepochen einzuordnen. Ein Beleg dafür sind die
Bewegungsabläufe, die als ein typisches Merkmal des Jugendstils in „Die Beiden“
zu finden sind.
Des Weiteren ist die Vermischung mehrerer
Epochenstile in den beiden ausgewählten Gedichten charakteristisch für
Hofmannsthal. Sie repräsentiert die Vielfältigkeit des Dichters und seine
Offenheit den literarischen Strömungen gegenüber.
Außerdem gehören die Gedichte in einen der
am häufigsten bearbeiteten Motivkreise Hofmannsthals: Der Auseinandersetzung
mit der menschlichen Seele, dem Leben, insbesondere der menschlichen
Beziehungen, und dem Traum.
Hugo von
Hofmannsthal (1874-1929) (zurück
zum Inhaltsverzeichnis)
Die Beiden (entstanden
1896)
Sie trug den Becher in der Hand
– Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand –,
So leicht und sicher war ihr Gang,
Kein Tropfen aus dem Becher sprang.
So leicht und fest war seine Hand:
Er
ritt auf einem jungen Pferde,
Und
mit nachlässiger Gebärde
Erzwang er, dass es zitternd stand.
Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
Den
leichten Becher nehmen sollte,
So
war es beiden allzu schwer:
Denn
beide bebten sie so sehr,
Daß
keine Hand die andre fand
Und
dunkler Wein am Boden rollte.
Wasser stürzt uns zu verschlingen,
Rollt
der Fels uns zu erschlagen,
Kommen
schon auf starken Schwingen
Vögel
her, uns fortzutragen.
Aber unten liegt ein Land,
Früchte
spiegelnd ohne Ende
In
den alterslosen Seen.
Marmorstirn und Brunnenrand
Steigt
aus blumigem Gelände,
Und
die leichten Winde wehn.
Grabert, Mulot, Nürnberger; Geschichte
der deutschen Literatur, Bayr. Schulbuch Verlag, München 1983, Seite 249ff.
Hugo von Hofmannsthal, Gedichte und
kleine Dramen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1986
Werner Volke, Hofmannsthal, Rowohlt
Taschenbuch, Reinbeck bei Hamburg 1967
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Form im Werke Hofmannsthals, 1966
Hans – Albert Koch, Hugo von
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2001, 2. Erw. Ausgabe
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von Tunk, Illustrierte Geschichte der deutschen Literatur, Band 5, Naumann&
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[1] Ein Deckname war nötig, da Schüler zu der Zeit noch nicht publizieren durften.
[2] Später umbenannt in „Moderne Rundschau“
[3] Vgl.: Deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts S. 100
[4] Philologie: Wissenschaft, die sich mit Sprache und Schrifttum beschäftigt.
[5] Vgl.: Deutsche Dichter des 2o. Jahrhunderts S.100
[6] Zitiert nach: Deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts, S. 101
[7] Vgl.: Illustrierte Geschichte der deutschen Literatur Band 5 S. 14
[8] „ebda., S.14“
[9] Vgl.: Illustrierte Geschichte der deutschen Literatur, Band 5, Seite 43
[10] Zitiert nach: Illustrierte Geschichte der deutschen Literatur, Band 5, Seite 43
[11] Vgl.:
http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/deh/2714.html
[12] ebda.
[13] Vgl.: Dichter des 20. Jahrhunderts, Seite 102 f.
[14] zitiert nach: Deutsche Schriftsteller des 20. Jahrhunderts im Spiegel der Kritik, Band 2, S.776
[15] zitiert nach: Grundlagen, Stile, Gestalten der deutschen Literatur, S. 252
[16] zitiert nach: Illustrierte Geschichte der deutschen Literatur Band 5 S. 85
[17] Siehe: http://www.teachsam.de
[18] (V.6f.&10,14)
[19] (V.5,8,9,13,11f.)
[20] Siehe: http://www.schule-weil.de
[21] Zitiert nach: http://www.schule-weil.de
[22] Merkmal des Jugendstils ist die Betonung der Bewegung und der Linie.